DGB-Analyse: Arbeiten am Limit

Einblick Januar 2020

Der Druck wächst in vielen Berufen, weil die Arbeitsintensität zunimmt.
Das hat laut DGB-Index Gute Arbeit 2019 Folgen: Vielen Beschäftigten fällt es schwer abzuschalten.
Auch die Zahl der Menschen, die zehn Tage oder mehr im Jahr krank zur Arbeit gehen, ist
besorgniserregend.
Die aktuelle Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Arbeitsintensität zeigt,
dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der rund 6500 Befragten sich bei der Arbeit
sehr häufig oder oft gehetzt fühlt. Bei vielen Beschäftigten scheint die Arbeitsbelastung
im Vergleich zu den Vorjahren noch zu steigen: So hat ein Drittel (34 Prozent)
der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten mehr Arbeit verrichten müssen,
als noch ein Jahr zuvor. Die Folgen: 57 Prozent der überlasteten ArbeitnehmerInnen
fühlen sich häufig leer und ausgebrannt. Rund die Hälfte reduziert regelmäßig die
Pausen, um ihr Pensum zu erfüllen. 42 Prozent sind in den vergangenen zwölf Monaten
zehn oder mehr Tage krank zur Arbeit gegangen.
Das Problem zu hoher psychischer Belastung in der Arbeitswelt ist seit Jahren bekannt“,
kritisiert der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Befunde. „Für einen
Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat sich jedoch wenig geändert.
Die aktuellen Befunde des DGB-Index Gute Arbeit zeigen: Der Arbeitsstress bleibt
auf einem besorgniserregend hohen Niveau.“
Hoffmann fordert die Unternehmen auf, ihre MitarbeiterInnen besser zu schützen.
Die Arbeitgeber „müssen die Überlastung und die damit einhergehenden gesundheitlichen
Gefährdungen der Beschäftigten vermeiden. Die Gewerkschaften haben
zahlreiche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen zum Schutz der Gesundheit
abgeschlossen. Diese müssen zum Standard für alle Beschäftigten werden“,
fordert der DGB-Vorsitzende. Die Regierungskoalition müsse Tarifbindung und Mitbestimmung
stärken. „Die allseits beschworene Fachkräftesicherung muss vor allem
im Betrieb selbst anfangen – mit gesunden Arbeitsbedingungen.“
Unter den aktuellen Arbeitsbedingungen sind viele Beschäftigte skeptisch, bis zur
Rente durchzuhalten. 40 Prozent gehen davon aus, dass sie es wahrscheinlich
nicht schaffen werden, ihre jetzige Tätigkeit bis zum Rentenalter fortzusetzen. Deutliche
Differenzen zeigen sich zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Beschäftigte in
personenbezogenen Dienstleistungsberufen sowie Fertigungsberufen sind deutlich
pessimistischer, was ihre Erwerbsfähigkeit angeht. In Land- und forstwirtschaftlichen
Berufen geht nur jede/r Fünfte davon aus, bis zur Rente arbeiten zu können. Ebenfalls
deutlich unter dem Durchschnitt liegt der Anteil in der Lebensmittel- und Gastrobranche
(37 Prozent), in Bauberufen (38 Prozent) sowie in Gesundheitsberufen
(39 Prozent).

 

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Runter mit der Arbeitszeit, rauf mit den Anrechnungsstunden

Arbeitszeitstudie der GEW-Niedersachsen (2018)

Die Ergebnisse der Arbeitszeitstudie sind klar: Dort, wo es repräsentative Ergebnisse gibt, fallen Überstunden an. Pro Schuljahr sind es etwa 2,5 Millionen. Dies sind reale Zeitstunden, die nirgendwo dokumentiert und daher ohne Anspruch auf Freizeitausgleich oder Bezahlung geleistet werden. Sie sind das Resultat aus den hohen Anforderungen an die Beschäftigten, verbunden mit einer hohen ArbeitsplatzIdentifikation. Der größte Anteil der Mehrarbeit entfällt auf die Teilzeitkräfte. Rein theoretisch haben sie ihre Arbeitsstunden des Kalenderjahres bereits Ende November erfüllt und arbeiten den Dezember über quasi umsonst für das Land. Die Vollzeitkräfte haben so hohe Arbeitszeiten, dass sie an eine natürliche Belastungsgrenze stoßen („Deckeneffekt"). Die dauerhafte Belastung kann für viele weder an Wochenenden noch durch die Ferienzeiten ausgeglichen werden, weil auch dann gearbeitet wird. Die GEW fordert daher: Nach den Daten wollen wir Taten. Runter mit der Arbeitszeit, rauf mit den Anrechnungsstunden!

 

 

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: A 13 Z für alle Lehrkräfte

GEW unterstützt SPD-Gesetzentwurf zur Anpassung der Lehrer*innenbesoldung

Die GEW NRW unterstützt den von der SPD-Landtagsfraktion vorgelegten Gesetzentwurf und fordert die Landesregierung auf, die verfassungsrechtlich gebotene amtsangemessene Besoldung endlich umzusetzen.

„In der Konsequenz des Lehrerausbildungsgesetzes von 2009 müssen alle Lehrkräfte unabhängig vom Lehramt besoldungsrechtlich gleichgestellt werden. Die derzeitige Ungleichbehandlung ist sachlich nicht zu rechtfertigen und stellt einen Verstoß des Gleichbehandlungsgrundsatzes nach dem Grundgesetz dar“, sagte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer bei der Anhörung vor dem Haushalts- und Finanzausschuss des NRW-Landtages in Düsseldorf. Die im LABG geforderte gleichlange, wissenschaftliche und schulpraktische Ausbildung, unabhängig vom Lehramt, gebiete eine gleichrangige laufbahnmäßige Einstellung.

„Das bedeutet nicht nur“, so Schäfer, „dass die neuen Master-Absolvent*innen nach dem aktuellen LABG hier einzugruppieren sind, sondern dass alle, die auch bereits vor 2009 mit einem 2. Staatsexamen und einer zehnsemestrigen Hochschulausbildung ihr Lehramt bestanden haben, wie z.B. die Lehrkräfte der Sekundarstufe I, nun  gleichbehandelt werden.“ Schäfer hielt es gleichzeitig für erforderlich, dass weitere Verbesserungen im Landesbesoldungsgesetz insbesondere bei den Funktions- und Beförderungsämtern, wie z.B. für Fachleiter*innen in der Lehrkräfteausbildung für die Primar- und Sekundarstufe I erfolgen müssen.

 Die GEW-Landesvorsitzende verwies auf ein Gutachten des namhaften Verfassungsrechtlers Professor Brinktrine, der vor drei Jahren dargelegt hatte, dass die unterschiedliche Bezahlung der Lehrkräfte nicht mit den Vorgaben des beamtenrechtlichen Alimentationsprinzips in Einklang stehe. Die Praxis ungleicher Bezahlung der Lehrkräfte könne demnach weder durch unterschiedliche Aus- und Fortbildung, noch wegen verschiedener  Aufgaben und Anforderungen bei der Ausübung des Lehramtes begründet werden, da hier möglicherweise  früher bestehende Unterschiede nicht mehr gegeben seien.

Mit Blick auf zwei anhängige Klageverfahren, die mit Hilfe des GEW-Rechtsschutzes von zwei Grundschullehrkräften geführt werden, forderte die GEW-Landesvorsitzende Ministerpräsident Armin Laschet auf, endlich politisch zu handeln, anstatt auf Gerichtsurteile zu warten: „Andere Bundesländer wie Brandenburg und Sachsen sind da schon weiter. NRW sollte endlich diesem Beispiel folgen, damit sich der Lehrkräftemangel vor allem an den Grundschulen nicht noch weiter verschärft.“

Die GEW-Landesvorsitzende erinnerte in ihrer Stellungnahme abschließend an eine Pressemitteilung der CDU vom 1. Juli 2014. Damals hatte im Zuge der Verfassungsklage Oppositionsführer Armin Laschet gefordert: "Es ist jetzt wichtig, schleunigst das verlorene Vertrauen der Beamtinnen und Beamten in das verfassungsgemäße Handeln der Landesregierung wiederherzustellen". Als Ministerpräsident, so Schäfer,  habe  er dazu jetzt unmittelbar die Gelegenheit.

 

Berthold Paschert

GEW-NRW

Warum GEWerkschaft ?