Präsenz von Frauen in Entscheidungsstrukturen und Führungspositionen

Die Quote beschleunigt den Wandel

Gewerkschaften sind demokratische Organisationen, die den Anspruch haben, dass ihre Mitglieder an den Entscheidungsstrukturen teilhaben. In der Zusammensetzung der Gremien und unter den Inhaber*Innen höherer Positionen müssen daher relevante Personengruppen adäquat vertreten sein.
Präsenz von Frauen in Entscheidungsstrukturen und Führungspositionen

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Trotz dieser prinzipiellen Ausrichtung waren Frauen in der Vergangenheit in gewerkschaftlichen Gremien und Positionen – sowie in den Führungsetagen der Wirtschaft und einem Teil der Gewerkschaften auch heute noch – in der Regel deutlich unterrepräsentiert. Die Gründe sind hier wie dort im Wesentlichen die gleichen: Die Organisationskultur mit all ihren Begleiterscheinungen ist eine vorwiegend männliche. Frauen sind durch unbezahlte Sorgearbeit belastet. Wahrnehmungen, Strategien und Argumentation der Akteure sind von Klischees der Geschlechterrollen beeinflusst.

Der Unterrepräsentation von Frauen mit einer Quote entgegenwirken
Da unverbindliche Satzungsregelungen in der überwiegenden Zahl der Fälle – wie auch aktuell in der nordrhein-westfälischen GEW – nicht zur adäquaten Vertretung von Frauen in den Entscheidungsstrukturen führten, engagierten sich Frauen in mehreren Gewerkschaften für Frauenquoten, die verpflichtend einzuhalten sind. Und damit waren sie häufig erfolgreich: Heute hat die Hälfte der Gewerkschaften in Deutschland und Österreich eine Frauenquote. Sie legt fest, dass Frauen in den Gremien entsprechend ihrem Anteil an den Mitgliedern vertreten sein müssen.
Die Frauenquoten in den deutschen und österreichischen Gewerkschaften funktionieren: Der Frauenanteil in den Gremien entspricht dem Frauenanteil der Mitglieder im jeweiligen Bereich, nur vereinzelte Gremien liegen etwas darunter. Die Erfahrungen zeigen, dass der Beschluss der Frauenquote alleine nicht ausreicht, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Unbedingt notwendig ist ein funktionierender Kontrollmechanismus mit wirksamen Sanktionsmöglichkeiten für den Fall, dass die Quote nicht eingehalten wird.

Wie die Umsetzung der Quote gelingt
Damit die Umsetzung der Quote sinnvoll erfolgen kann, muss sie von Maßnahmen begleitet sein, die gewährleisten, dass genug geeignete Frauen für die zu besetzenden Positionen vorhanden sind. Dafür wird in den Gewerkschaften eine Palette von Maßnahmen eingesetzt. Die direkte und persönliche Ansprache von potenziell geeigneten Frauen ist dabei die wichtigste. Beispiele für weitere Maßnahmen sind die gezielte Aus- und Weiterbildung von Frauen sowie Mentoringprogramme. Aber auch Änderungen der Sitzungskultur, die Frauen eine Teilnahme erleichtern, unterstützen die Gleichberechtigung.
Da die Mitglieder der Betriebs- und Personalräte – insbesondere die Vorsitzenden – ein Reservoir darstellen, aus dem die Ehrenamtlichen der Gewerkschaften kommen, müssen die Gewerkschaften bereits auf der Ebene der Betriebe und Dienststellen aktiv auf eine Steigerung der Teilhabe von Frauen hinwirken.
Eine erfolgreiche Umsetzung der Quote setzt voraus, dass sich etwas verändert. Immer noch vorherrschende traditionelle Rollenklischees müssen dafür abgebaut werden. Die vermehrte Präsenz von Frauen in den Entscheidungsstrukturen und in Führungspositionen als Folge der Quote beschleunigt dann den Wandel der Organisationen und des Bewusstseins ihrer Mitglieder.

Sabine Blaschke // In: nds 3-2015