Geplante LABG-Änderung überwiegend unbefriedigend

Lehrerausbildungsgesetz NRW: Licht und Schatten

Ende September 2015 hat die Landesregierung den Gesetzesentwurf zur Änderung des Lehrerausbildungsgesetzes (LABG) beschlossen. Hiermit verknüpft ist auch die Änderung verschiedener weiterer Rechtsvorschriften, darunter die Lehramtszugangsverordnung (LZV) und die Ordnung des Vorbereitungsdienstes (OVP). Im Vergleich zum Referentenentwurf von Mai 2015 wurde zwar bei einzelnen Aspekten nachgebessert es bleibt aber weiterhin einiges zu bemängeln.
Geplante LABG-Änderung überwiegend unbefriedigend

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Immerhin: Einen ersten Schritt in die richtige Richtung geht das Land mit der geplanten Verlängerung der Auslauffristen für den Staatsexamensstudiengang. Dass allerdings standardmäßig nur zwei Semester zusätzlich vorgesehen sind und weitere Verlängerungen nur in Härtefällen und für Wiederholungsprüfungen möglich sind, reicht so nicht aus. Darüber hinaus bieten die kurzen Übergangsfristen Lehramtsstudierenden im Staatsexamensstudiengang keinen Raum, sich auf neue Herausforderungen wie die Umsetzung der Inklusion oder den Unterricht in internationalen Klassen an den Schulen vorzubereiten.

Weniger Latein, mehr ChancengleichheitEin Schritt zu mehr Chancengleichheit im Studium ist die Reduzierung der vorausgesetzten Lateinkenntnisse für Lehramtsstudierende bestimmter Fächer. Weniger Latein führt nicht zu einem qualitativ schlechteren Studium, sondern schafft vergleichbare Chancen für alle Studierenden. Bislang bedeutet der Erwerb des Latinums an der Universität eine Verlängerung des Studiums, die nicht in der Studiendauer vorgesehen ist und nicht zum verlängerten Bezug von BAföG berechtigt. Allerdings ist es aus Sicht der GEW NRW kontraproduktiv, dass Hochschulen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus weiterhin Lateinkenntnisse bis hin zum Latinum fordern dürfen, obwohl das Land diese gerade nicht erwartet. Es geht schließlich gerade darum, Selektion abzubauen und nicht durch die Hintertür aufrechtzuerhalten.

Inklusion fest verankertIn der Lehramtsausbildung in Bachelor-Master-Struktur soll das Thema „Inklusion“ bereits durch Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz Gegenstand sein. Nachdem im Referentenentwurf des LABG inklusionsorientierte Fragestellungen im Studium  teilweise über die Verschiebung von Leistungspunkten  nur in den Bildungswissenschaften konkretisiert ausgewiesen waren, geht der jetzt vorgelegte Gesetzesentwurf immerhin in die Breite und nimmt statt einer grundsätzlichen Leistungspunktverschiebung neben den Bildungswissenschaften auch die Fächer explizit in die Pflicht. Die Vorgaben hierfür sind allerdings nur wenig konkret, sodass abzuwarten bleibt, ob tatsächlich alle Hochschulen diesem Auftrag substanziell und ernsthaft nachkommen werden. Studierende, die ihr Studium ab dem Wintersemester 2016/2017 beginnen, sollen entsprechende Leistungen erbringen. Im Vorbereitungsdienst sollen Vielfalt und Inklusion richtungsweisend für die Ausbildung in sämtlichen Handlungsfeldern werden. Darüber hinaus soll die Verwendung digitaler Medien einen größeren Stellenwert erhalten. Unwidersprochen bleiben kann die grundsätzliche Notwendigkeit solcher Fokussierungen. Es muss dann allerdings auch der hierfür erforderliche Rahmen und Raum geschaffen werden. Die ohnehin bereits verdichteten und häufig belastenden Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im Vorbereitungsdienst könnten sich noch weiter zulasten der Lehramtsanwärter*innen verschärfen. Vollkommen unverständlich bleibt daher, dass der LABG-Gesetzesentwurf keinerlei Korrekturen an den mittlerweile vielfach aufgezeigten Fehlentwicklungen vornimmt.

Anrechnungsstunden für Fachleiter*innen weiterhin unzureichendDas mit dem Referentenentwurf vorgelegte Berechnungsmodell für die Vergabe von Anrechnungsstunden für Fachleiter*innen wird im Gesetzesentwurf nur geringfügig verändert und muss so weiterhin als nicht tragfähig eingestuft werden. Neben zu geringen Stundenansätzen sind vor allem verschiedene Unkalkulierbarkeiten als grundsätzlich problematisch zu werten. Vollkommen fragwürdig bleibt die Budgetierung, die sich durch lehramtsspezifische Fachleiter*innen-Lehramtsanwärter*innen-Relationen berechnet, da diese Relationen jährlich mit dem Haushalt einseitig durch das Land festgelegt werden. Es liegt jetzt an den politischen Akteur*innen, ihrer Verantwortung nachzukommen und im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses entsprechend nachzujustieren.

Maike Finnern und Mischa Meir // In: nds 11/12-2015