Forderungen zu den Praxisphasen im Lehramtsstudium NRW

LASS NRW: Nachbessern!

Bei der Reform der Lehramtsstudiengänge in 2009 waren die Praxisphasen zentral: Das Orientierungspraktikum blieb erhalten, neu hinzu kamen ein Eignungs- und ein Berufsfeldpraktikum, das Fachpraktikum wurde durch das Praxissemester abgelöst. Der Referentenentwurf von Mai 2015 sieht erneut Veränderungen vor. Die Kritik der Lehramtsstudierenden in der GEW NRW – vor allem am Praxissemester – bleibt bestehen.
Forderungen zu den Praxisphasen im Lehramtsstudium NRW

Foto: Rawpixel/fotolia.de

Das Eignungspraktikum

Teil der Eigenverantwortungsideologie der schwarz-gelben Regierung von 2009 war es, Probleme in den Schulen nicht gesellschaftlich zu begreifen, sondern einzelnen Lehrer*innen zuzuschreiben. Sicher spielt die Persönlichkeit jeder einzelnen Lehrkraft eine große Rolle, aber anstatt auf Entwicklung zu setzen, sollten Studieninteressierte bei einem Eignungspraktikum auf das Lehrer-Gen getestet werden. Doch trotz Regierungsmehrheit war das Vorhaben nicht durchsetzbar. Das Praktikum wurde lediglich in wirkungsloser Form eingeführt und die derzeitige Landesregierung plant, es wieder abzuschaffen.

Das Berufsfeldpraktikum

Auch wenn es nach wie vor keine Garantie auf einen Master-Studienplatz gibt, nutzen die meisten Studierenden das vierwöchige Praktikum nicht, um Absprungmöglichkeiten für den Fall eines Rausschmisses zu sondieren. Vielmehr werden Jugendämter, Museen oder andere Schulformen aus Neugier und im Hinblick auf spätere Kooperationen erkundet – eine hohe Flexibilität vorausgesetzt!

Das Praxissemester

Die ersten Erfahrungen mit dem Praxissemester bestätigen, dass eine stärkere Verschränkung von Theorie und Praxis in der Lehrer*innenausbildung hilfreich ist. Sie bestätigen aber auch, dass die Rahmenbedingungen des Praxissemesters unhaltbar sind: Einerseits werden Studierende an Schulen geschickt, die teilweise mehr als eine Autostunde von ihrer Hochschule, an der sie parallel Veranstaltungen besuchen müssen, entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar sind. Andererseits wird das Praxissemester nicht vergütet und es ist unmöglich, nebenher zu arbeiten. Da zwei Drittel der Studierenden neben dem Studium arbeiten müssen, können sich viele ein Lehramtsstudium so nicht mehr leisten. Deshalb muss das Praxissemester bezahlt werden! Naheliegend ist, das Praxissemester als unbezahltes, vorgezogenes Halbjahr des Referendariats zu verstehen, das zeitgleich mit der Einführung des Praxissemesters um ein halbes Jahr verkürzt wurde. Angesichts der weit verbreiteten Überforderung mit dem verkürzten Referendariat wurden auch Anspruch und Umfang der eigentlich im Praxissemester vorgesehenen Forschungsprojekte vielfach so sehr reduziert, dass die im Referendariat fehlende Zeit teilweise ausgeglichen wird. Das ist immerhin verantwortungsvoll. Richtiger wäre es, den Druck aus dem Referendariat zu nehmen.

Landesausschuss für Studierende der GEW NRW // In: nds 8-2015