Equal Pay Day: Kampagne JA 13 im Fokus

Bezahlung im öffentlichen Dienst von Frauen und Männern

Im öffentlichen Dienst von Bund, Ländern und Kommunen regeln Besoldungsgesetze und Tarifverträge, wer wie viel verdient. Da sollte es gerecht zugehen, meint man. Natürlich gibt es keine offene Diskriminierung von Frauen. Und trotzdem: Viele weiblich dominierte Berufe waren und sind schlechter eingruppiert als traditionell „typisch männliche“ Tätigkeiten.
Equal Pay Day: Kampagne JA 13 im Fokus

Foto: Rostislav Sedlacek/Fotolia

Auch die Arbeit an Grundschulen und in einigen Bundesländern außerdem die Arbeit in der Sekundarstufe I wird schlechter bezahlt. So erhalten in NRW Lehrkräfte am Gymnasium monatlich bis zu 600,- Euro mehr als ihre Kolleg*innen an Grundschulen und in der Sekundarstufe I.

Allerdings ist der öffentliche Dienst auch ein Beispiel dafür, dass die Situation in Branchen mit Tarifbindung oder auch Besoldungsgesetzen etwas besser ist. Der Gender Pay Gap, die geschlechterspezifische Lohnlücke, ist hier etwas niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Bewusstsein schaffen für ungleiche Bezahlung in Deutschland

Der Equal Pay Day (EPD) am 18. März 2018 markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Das ist in Deutschland ein Abstand von 21 Prozent oder 77 Tagen. So groß ist der Unterschied zwischen A 12 – der üblichen Besoldung von Grundschullehrkräften – und A 13 Z – der Besoldung an Gymnasien und in der Oberstufe nicht. Ziel des Equal Pay Day ist es, die Debatte über die Gründe der Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und Entscheider*innen zu mobilisieren, damit sich die Lohnschere schließt.

Ungleiche Bezahlung nach Schulform muss enden

Hier liegt die Schnittmenge mit der GEW-Kampagne JA 13. Es geht um den Wert pädagogischer Arbeit. Kleine Kinder kleines Geld, große Kinder großes Geld – diese Spielregel hat ausgedient. Für die ungleiche Bezahlung nach Schulform lassen sich keine sachlichen Gründe mehr finden. Die Arbeit an verschiedenen Schulformen ist zwar andersartig, aber gleichwertig. Zu diesem Schluss kam der renommierte Verfassungsrechtler Prof. Dr. Ralf Brinktrine bereits im Januar 2015 in seinem Gutachten für das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz in Nordrhein-Westfalen.

Kinder und Jugendliche unterrichten: Gleichwertige Tätigkeit

Schon lange absolvieren alle Lehrkräfte eine gleichwertige und in vielen Bundesländern auch gleichlange wissenschaftliche Ausbildung. In NRW werden seit dem Lehrerausbildungsgesetz 2009 Lehrkräfte für alle Schulformen in gleichlangen Studiengängen ausgebildet. Und sie üben bei allen Unterschieden nach dem Alter der Kinder und Jugendlichen oder den Schulfächern und Schulformen eine gleichwertige Tätigkeit aus. Diese Gleichwertigkeit muss endlich anerkannt werden.

Landesregierungen müssen bundesweit nachziehen

Die Erfolge geben der Bildungsgewerkschaft GEW recht: Die tarifpolitische Mobilisierung der GEW Berlin hat dazu geführt, dass dort eine Besoldungsreform angegangen wurde. Das war der Durchbruch. Die kluge Verhandlungsführung der GEW Brandenburg hat auch dort den Weg für A 13 in der Primarstufe freigemacht, auch für Lehrkräfte mit DDR-Ausbildung. Nun müssen andere Landesregierungen dazu gebracht werden, dass sie nachziehen.

Zeichen der Wertschätzung in NRW bleibt bisher aus

Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW hat bisher nur vage Zusagen formuliert, dass ab 2019 jene Kolleg*innen besser besoldet werden sollen, die seit 2009 in gleichlangen Studiengängen ausgebildet wurden. Die GEW fordert, die Kolleg*innen mit alter Lehramtsausbildung nicht abzuhängen, deren Praxiserfahrung eine kürzere Ausbildungsdauer ausgleicht. Viele Kolleg*innen, die besonders in Zeiten des Lehrkräftemangels täglich vor großen Herausforderungen stehen und Seiteneinsteiger*innen sowie Lehrkräfte mit anderem Lehramt einarbeiten, erwarten ein Zeichen der Wertschätzung.

In der Debatte um Lehrkräftebezahlung spielt der Fachkräftemangel ebenso eine Rolle. Landesregierungen bewegen sich auch deshalb, um auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt noch konkurrenzfähig zu sein. Schon heute fehlen vor allem an Grundschulen qualifizierte Lehrkräfte. Der wachsende Anteil von Lehrkräften, der nicht für diese Schulform ausgebildet ist, ist besorgniserregend. Die Anzahl von Anwärter*innen für das Grundschullehramt geht seit Jahren deutlich zurück.

Junge Menschen für den Lehrberuf begeistern!

Für eine Aufwertung des Berufs durch gerechte und bessere Bezahlung ist es daher höchste Zeit: A 13 und die Übertragung auf die Tarifbeschäftigten gleichermaßen müssen kommen! Die jetzt gestartete Kampagne des Ministeriums für Schule und Bildung NRW zur Werbung für den Lehrerberuf liefert vielleicht schöne Bilder, den Lehrkräftemangel kann diese Maßnahme jedoch nicht beheben. Das können nur eine bessere Besoldung und gute Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte in NRW, damit sich junge Menschen für den Lehrberuf begeistern können!  

Frauke Gützkow
, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW und verantwortlich für Frauenpolitik
Frauke Rütter, Referentin für Bildungs- und Frauenpolitik der GEW NRW
Susanne Huppke, Mitglied im Leitungsteam der Fachgruppe Grundschule der GEW NRW