Die Chancen einer Frauenquote

Frauen in der Führungsetage

Nur wenige talentierte junge Frauen mit exzellenten Abschlüssen werden Chefinnen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Hays AG zeigen, wie traditionelle Rollenklischees nach wie vor wirken und wie unverzichtbar eine verbindliche Frauenquote ist. Sie verspricht nicht nur eine zwischen Männern und Frauen verbesserte Verteilung von Macht und Einkommen, sondern auch positive Effekte für die Wirtschaft.
Die Chancen einer Frauenquote

Foto: dubova/fotolia.de

Laut der Umfrage der Hays AG unter 550 Führungskräften der deutschen Wirtschaft sind 63 Prozent der Meinung, dass Beruf und Familie nicht vereinbar seien. Davon sehen 56 Prozent die Ursache bei den klassischen Rollenbildern. 46 Prozent stellen fest, dass die notwendige Kinderbetreuung und 33 Prozent, dass die Unterstützung durch das Unternehmen fehlt.

Für einige verbindlich, für andere flexibel
Nach langen Diskussionen hat die Bundesregierung den Gesetzentwurf für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst auf den Weg gebracht. Das Gesetz soll im April 2015 im Bundestag verabschiedet werden. Vorausgegangen war eine monatelange kontrovers zwischen SPD und CDU geführte Debatte.

Viel Kritik kam auch aus Teilen der Wirtschaft: Der Entwurf sieht vor, dass die 108
börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen einen Frauenanteil von 30 Prozent in ihren Aufsichtsräten sicherstellen müssen. Die Vorgabe gilt für Neubesetzungen ab Januar 2016. Wird die Quote nicht erfüllt, muss der Posten unbesetzt bleiben.

Weitere 3.500 mittelgroße Unternehmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, sollen Zielvorgaben über den Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und den obersten zwei Managementebenen setzen und regelmäßig über den Stand informieren. Diese „Flexi-Quote“ soll nicht nachträglich korrigiert werden dürfen. 2015 müssen die Unternehmen eine Frist festlegen, bis wann sie ihr Ziel erreicht haben wollen. Strafen sind allerdings nicht vorgesehen.

Der Erfolg muss messbar werden
Der DGB und seine Einzelgewerkschaften haben sowohl die Einführung einer Quote gefordert als auch den Gesetzentwurf begrüßt. Der DGB begründet in seiner Stellungnahme: „Der Anteil von Frauen in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft ist über zehn Jahre nicht vorangekommen: zu weich, zu unverbindlich, zu wenig zwingend. Aber auch zwanzig Jahre Gleichberechtigungs-, Frauenförder- beziehungsweise Gleichstellungs- und Bundesgremienbesetzungsgesetz haben im öffentlichen Dienst des Bundes keine durchschlagenden Erfolge erzielt.“

In NRW sieht die Situation trotz Landesgleichstellungsgesetz auch nicht besser aus. Selbst im Schulbereich, in dem Lehrerinnen deutlich die Mehrheit stellen, dominieren männliche Kollegen jene Positionen mit Besoldungsgruppe ab A 14.

Mehr Kreativität und Modernität
Frauen in Führungspositionen erzeugen, so neuere Studien, mehr Kreativität in den Entscheidungsebenen, Modernität in der Außendarstellung und signifikant positivere Effekte in Unternehmen mit Fokus auf Privatkunden und hohem Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft. Die Frauenquote bewirkt aber noch weit mehr: Wenn mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten, steigen auch die Beförderungschancen von weiblichen Beschäftigten auf den unteren Hierarchieebenen und zwar keineswegs nur in „typisch weiblichen“ Branchen oder Tätigkeitsfeldern.

Die Wissenschaftlerinnen Astrid Kunze und Amalia Miller gehen in ihrer Studie davon aus, dass sogenannte „Spillover-Effekte“ ausschlaggebend dafür seien: Weibliche Führungskräfte steigern die Aufstiegschancen anderer Frauen im Unternehmen nicht nur durch aktive Beförderungsentscheidungen, sondern zusätzlich durch ihre Funktion als Vorbilder und Mentorinnen. Durch politische Zielvorgaben, wie einer Frauenquote für Führungspositionen, ließe sich demnach tatsächlich eine größere Chancengleichheit weiblicher Arbeitnehmer erreichen.

Die gesetzliche Quote für mehr Frauen in Führungspositionen zeigt also bereits Wirkung für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Flankierende Maßnahmen, wie mehr Genderkompetenz in der Bildung und Erziehung, würden weitere positive Effekte auf diesem Weg erzeugen.    

Ilse Führer-Lehner // In: nds 3-2015