Die Arche in Köln-Ehrenfeld

Ein Ort der Wertschätzung

Ein schöner, heller, offener Raum – es ist angenehm hier einzutreten. Der Empfang ist freundlich: „Wer bist du denn? Komm rein!“ Die Arche in Köln-Ehrenfeld liegt mitten im buntgemischten Stadtteil neben dem Stadthaus, das viele Bürger*innen besuchen. Um 13.00 Uhr sind hier schon einige Grundschulkinder. Doch der große Ansturm kommt erst etwas später. Sabine Hamann ist Leiterin der Kölner Arche. Seit drei Jahren unterstützt sie gemeinsam mit fünf weiteren Kolleg*innen hilfsbedürftige Kinder.
Die Arche in Köln-Ehrenfeld

Foto: B. Butzke

Ilona lässt sich vom Trubel nicht stören. Sie sitzt wie so oft mit Cäsar, einem älteren Herrn aus der Nachbarschaft, an einem Tisch im großen Tagesraum und spielt konzentriert Schach. Auch die Bemerkungen von Fulja stören sie nicht. Wie ihr erwachsenes Gegenüber überlegt sie gründlich ihren nächsten Zug, schließlich hat sie schon ihre Dame verloren. An anderen Tischen wird gegessen: Reis mit Soße, Hähnchen und Gemüse. Appetitlich sehen die vollen Teller aus.

Großes Angebot für kleine Kids
Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, wie groß dieser Kindertreffpunkt ist: Ein ruhiger Arbeitsraum, in dem Betreuer*innen mit Kindern Hausarbeiten machen und für die Schule üben. Eine Werkstatt voll mit Theaterkulissen, ein großer Veranstaltungsraum und der Toberaum mit gut gepolsterter Einrichtung, sehr beliebt bei den Mädchen und Jungen. Besonders umlagert ist das Boule-Brett. Hier ist auch Sabine Hamann zu finden, die Leiterin der Arche. Sie erklärt einem aufgeladenen Jungen gerade, dass auch hier Regeln gelten – freundlich, aber bestimmt: „Du willst doch nicht die Rote Karte sehen?“ Der Junge scheint zu verstehen. „Schwere Verstöße gegen unsere Regeln erleben wir selten. Den meisten Kindern ist es sehr wichtig, hier zu sein. Hier finden sie Freunde, hier spielen und lernen sie und werden von Erwachsenen angenommen.“ In ihrem Büro spiegelt sich das an einer Pinnwand wider: „Das sind alles kleine Liebesbeweise. Oft suchen die Kinder selbst noch eine Lücke für ihr Herz oder ihren bunten Schmetterling.“

Unterstützung für alle Altersklassen
Die temperamentvolle Wahlkölnerin mit dem schwäbischen Akzent schwärmt von ihrer Arche. Seit 2011 gibt es den Treffpunkt für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in Köln-Ehrenfeld. 1995 wurde die erste Arche von dem evangelischen Pfarrer Bernd Siggelkow als christliches Kinder- und Jugendwerk in Berlin gegründet, als Reaktion auf materielle und emotionale Armut unterversorgter Kinder. Dieses Angebot wurde so stark angenommen, dass es in Berlin inzwischen drei Archen gibt und insgesamt 18 in ganz Deutschland. In Nordrhein-Westfalen ist Düsseldorf ein weiterer Standort. „Wir werden nicht vom Staat finanziert, sondern nur über Spenden und alle unsere Angebote sind kostenlos“, erklärt Sabine Hamann den Hintergrund für immerhin fünf festangestellte Mitarbeiter*innen, davon zwei ganze Stellen, die zusammen mit mehreren Ehrenamtler*innen ein beachtliches Angebot stemmen. Etwa 130 Kinder befinden sich in der Kartei und die meisten kommen mehrfach in der Woche. „Unser Angebot gilt eigentlich für Kinder im Alter von sechs bis zwölf. Aber die Nachfrage von Kids zwischen 13 und 16 ist so groß, dass wir jetzt jeden Freitag-nachmittag auch diese Altersgruppe einladen. Man möchte eben doch helfen, wenn Mütter besorgt berichten, dass ihre Kinder jetzt schlechte Orte und fragwürdige Gesellschaft suchen.“

Eltern sitzen mit im Boot
Der Zugang zur Arche ist nicht ganz beliebig: „Wenn Kinder interessiert sind, führen wir gemeinsam mit ihnen und den Eltern ein Aufnahmegespräch. Niemand muss seine Bedürftigkeit nachweisen oder einen finanziellen Beitrag leisten, aber wir möchten gerne Kontakt zu der Familie aufnehmen können, wenn mal etwas passiert. Wenn ein Kind über längere Zeit nicht in die Arche kommt, fragen wir auch nach, ob wir helfen können und wir machen den Eltern ein Angebot für gemeinschaftliche Aktionen“, erklärt Sabine Hamann. So gibt es ein Mal im Monat ein Elternfrühstück und immer wieder samstags Treffen, zu denen auch Fachleute dazukommen, die  über Themen wie die Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder andere Erziehungsprobleme aufklären. „Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns besonders wichtig. Manchmal begleiten Mitarbeiter*innen sie auch zum Amt oder in die Schule“, betont Sabine Hamann.

Verlässlichkeit, Zuwendung und Hilfe
Die Zusammenarbeit mit den Schulen beschreibt Sabine Hamann als sehr gut, benennt aber auch Probleme: „Die Plätze im Offenen Ganztag sind beschränkt und nicht alle Eltern können den Beitrag bezahlen. Viele Kinder haben alleinerziehende Elternteile oder leben in Patchworkfamilien und so manche Mutter hat mehrere Putzstellen, um Leistungen aufzustocken.“ Darin ist auch der wichtigste Grund zu sehen, warum die Kinder die Arche ganz regelmäßig aufsuchen: „Sie finden bei uns Verlässlichkeit, Zuwendung und Hilfe. Für viele wäre die Alternative, zu Hause vor dem Fernseher oder der Spielkonsole zu hocken. Das gute Mittagessen ist eine Wohltat, auch für diejenigen, die nicht hungern müssen.“ Der Abschied aus der Arche ist ebenso freundlich wie der Empfang: „Fotografierst du denn auch, wenn Poldi wieder hier ist?“ fragen leuchtende Augen. Und richtig: Lukas Podolski ist nicht nur ein wichtiger Sponsor und Arche-Botschafter, sondern er kommt auch mal vorbei und lässt sich auf die Kinder ein. Sie sind begeistert. Diese Wertschätzung ist es, die sie suchen und brauchen.

Bert Butzke // In: nds 6/7-2014

Die Arche Köln-Ehrenfeld