COPSOQ-Befragung am Arbeitsplatz Schule

Psychosoziale Gefährdung: Messen und Wiegen reicht nicht

Die Regierungsbezirke Düsseldorf und Münster haben die Befragung bereits durchgeführt, im Regierungsbezirk Detmold startet COPSOQ nach den Herbstferien. Köln und Arnsberg folgen in 2015 und 2016. Wie können die bisherigen Ergebnisse genutzt werden, damit der Arbeitgeber seine gesetzlichen Verpflichtungen wahrnimmt und die Lehrkräfte entlastet? Wie können Probleme aus den ersten Befragungen vermieden werden, die wirksamen Entlastungsmaßnahmen im Wege stehen?
COPSOQ-Befragung am Arbeitsplatz Schule

Foto: Andrey Fo/photocase.de

Wie hoch die schulischen Belastungen sind, erleben die Beschäftigten in der Schule tagtäglich. Viele fragen sich schon wenige Wochen nach Schuljahresbeginn, wo ihre Erholung geblieben ist. Zahlreiche Studien belegen, dass vor allem psychosoziale Belastungen eine wesentliche Ursache für viele Erkrankungen sind. Gesundheitliche Beeinträchtigungen von Lehrkräften sind jedoch nicht allein ein Problem für die Beschäftigten selbst, sondern ein wirtschaftliches und bildungspolitisches Problem. Die Folgen sind enorme Kosten und kontraproduktive Auswirkungen auf die Qualitätsentwicklung in den Schulen. Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist das Land NRW als Arbeitgeber schon lange verpflichtet, alle Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz zu erfassen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die erforderlichen Mittel im Landeshaushalt bereitzustellen. Der Bundesrechnungshof hat zudem 2010 alle Landesregierungen aufgefordert, Präventivmaßnahmen zu ergreifen, weil die Folgekosten der psychosozialen Erkrankungen insbesondere von Lehrkräften immens hoch sind. Warum zieht das Land NRW immer noch nicht die erforderlichen Konsequenzen? Die COPSOQ-Befragung ist immerhin ein erster Schritt auf dem Weg zur Reduzierung der Belastungen. Aber Messen und Wiegen allein reicht nicht! Die Ergebnisse der COPSOQ-Befragung ermöglichen eine landesweite Auswertung der vorgeschriebenen psychosozialen Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes Schule. Ziel der GEW ist es, das Land NRW auf dieser Basis zur Beseitigung, mindestens aber zur Reduzierung festgestellter Belastungen und Gefährdungen zu veranlassen. Erste Maßnahmen neben denen, die direkt in der Schule ergriffen werden müssen und können sind unmittelbar nach Auswertung der Ergebnisse in jedem Bezirk für alle Schulen in NRW durchzuführen. Unterstützt wird dieser Prozess bereits im Vorfeld der Befragung durch rechtzeitige und umfassende Informationen und Mitbestimmung der Personalräte und durch die Kooperation zwischen Personalräten und Lehrerräten.

Wenig Vertrauen, zögerliche Beteiligung

Die Teilnahme an der COPSOQ-Befragung lag im Durchschnitt aller Schulformen in Düsseldorf bei 40 Prozent und in Münster bei 45 Prozent der Beschäftigten. Eine höhere Beteiligung wäre wünschenswert, es ist jedoch angesichts der teils desorientierenden Informationen der Bezirksregierungen fast erstaunlich, dass diese Zahl erreicht wurde. Vor allem bezweifeln die Lehrkräfte, dass der Erhebung tatsächlich Verbesserungen der Arbeitsbedingungen folgen. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Landesregierung jahrelang nicht bereit war, finanzielle Mittel für erforderliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in den Schulen bereitzustellen. Stattdessen wurden die Beschäftigten aufgefordert, selbst in den Schulen Maßnahmen zur Beseitigung der Gefährdungen zu entwickeln und umzusetzen. Schulleitungen fürchten, dass COPSOQ ihre spezifischen Belastungen nicht berücksichtigt und ihr Führungsverhalten als Hauptursache für alle Probleme gewertet wird. Die Personalräte wären besser rechtzeitig beteiligt worden.

Maßnahmen nur bedingt erforderlich?

Die bisherigen bezirksweiten Auswertungen für Düsseldorf und Münster weisen folgende Belastungsschwerpunkte auf:

  • emotionale Anforderungen und kognitive Stresssymptome,
  • Work-privacy conflict und Burn-out,
  • Rollenkonflikte,
  • Lärm- und Stimmbelastung.
  • Entlastungsmaßnahmen können nur wirksam werden, wenn das Land unter anderem personelle Ressourcen bereitstellt für
  • die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung und Aufgabenmenge,
  • zusätzliche Sozial- und SonderpädagogInnen,
  • eine Senkung der Klassenfrequenzen und Erhöhung der Anrechnungsstunden sowie
  • Zeit für Kooperation und Fortbildung.

Karin Behler, Harda Zerweck, Anne Ruffert // In:nds 9-2015