5. Senior*innentag der GEW

Alles, was Ältere stark macht

Der 5. Senior*innentag der GEW diskutierte die gesellschaftliche Bedeutung der Pflege – und andere Zukunftsthemen der Gewerkschaft.
5. Seniorinnen- und Seniorentag der GEW

Foto: A. Jenter

Pflege ist keinesfalls ein Problem für Ältere und Kranke, sondern ein sozialpolitisches Zukunftsfeld. Mit dieser klaren Ansage eröffnete GEW-Vorstandsmitglied Frauke Gützkow in Leipzig die seniorenpolitische Konferenz. „Pflege ist ein Gewerkschafts- und ein Gesellschaftsthema. Es geht um Selbstbestimmung bis ins hohe Alter. Um die Potenziale älterer Menschen für unsere Gesellschaft. Und um gute Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige.“ Dass Kolleg*innen im Ruhestand für die Gewerkschaft nach wie vor eine wichtige Größe darstellen, machte auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe deutlich: Jedes Sechste der mittlerweile 272.000 GEW-Mitglieder zähle zu den Senior*innen. Sie appellierte daher an die Teilnehmenden, ihre Initiativen in die politischen Debatten einzubringen.

Erfahrungen wertschätzen und nutzen

Rund 120 Teilnehmende aus den GEW-Landesverbänden, aus Sozialverbänden und Gewerkschaften sowie namhafte Expert*innen kamen Ende März in Leipzig zusammen, um über die Zukunft der Pflege und der Rente, Altersdiskriminierung, Gleichberechtigung, ehrenamtliches Engagement sowie Migrations- und Flüchtlingspolitik zu debattieren. In Zeiten des demografischen Wandels, so der Tenor der Konferenz, müssen seniorenpolitische Fragen in allen Bereichen mitgedacht werden. „Wir brauchen eine Umorientierung und Visionen“, hob auch Jürgen Gohde, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, als einer der Podiumsgäste hervor. „Andere Funktionär*innen haben Angst vor den Senior*innen. Ich fürchte euch nicht“, betonte Marlis Tepe unter Beifall. Der Bundesausschuss für Seniorinnen und Senioren (BSA) mit seinem Vorsitzenden Hans Parnickel leiste eine unverzichtbare Arbeit. Marlis Tepe werde weiter für eine bessere Vertretung der älteren Generation im DGB kämpfen. Die Erfahrungen der Älteren dürfen nicht verloren gehen.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Ältere Menschen müssten von ihren Potenzialen her gesehen und dürften nicht auf Defizite reduziert werden, erklärte Frauke Gützkow. „Dies gilt ebenso für die Pflege.“ Daher müssten für Familien Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtern. Wichtig seien Arbeitsbedingungen, die Pflegearrangements etwa zwischen Familie und professionellen Dienstleistern ermöglichen. „Pflegende Angehörige sind noch keine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Gerade bei Arbeitgebern sind noch dicke Bretter zu bohren“, kritisierte Frauke Gützkow. Zudem werde sie sich für Lohnersatzleistungen für pflegende Angehörige ähnlich wie das Elterngeld einsetzen. Und auch pflegende Rentner*innen sollten ihre Leistungen von der Rentenkasse anerkannt bekommen. Dass die GEW argumentativ nicht im eigenen Saft schmort, machten mehrere hochrangige Gastredner*innen der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Konferenz deutlich. So räumte die parlamentarische Staatssekretärin der SPD im BMFSFJ, Elke Ferner, ein, dass in Sachen Pflege noch ein weiter Weg zu gehen ist. Zwar seien zum Jahresbeginn gesetzliche Möglichkeiten für Familien bereits spürbar erweitert worden. Allerdings müssten die Bedingungen etwa für Familienpflegezeiten und für eine Rückkehr in die alte Arbeitszeit noch ausgeweitet werden. Darüber werde auch im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung gesprochen.

Ungleiche Chancen bis ins hohe Alter

„Was Ältere stark macht, macht auch die Gesellschaft stark“, lautete Elke Ferners Credo. Ältere seien in der Regel sehr aktive Zeitgenossen und engagierten sich auf großartige Weise im Ehrenamt. „Ich kenne vor allem Ruheständler*innen, deren Terminkalender so reichlich gefüllt ist wie in Zeiten ihrer Berufstätigkeit.“ Zwischen Frauen und Männern gibt es indes nach wie vor starke Differenzen und ungleiche Chancen bis ins hohe Alter, führte die Gießener Lehrstuhlinhaberin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft, Uta Meier-Gräwe, vor Augen. Dass junge Mütter, die sich für eine längere Fürsorge in der Familie entscheiden und auf Erwerbstätigkeit verzichten, dies in der Rente bis hin zur Altersarmut deutlich zu spüren bekommen, bestätigte das Publikum in zahlreichen persönlichen Wortmeldungen. Dabei seien Frauen heute besser ausgebildet als je zuvor. Doch dieses Potenzial werde nicht genutzt. Zum Erfolg der Tagung hat der BSA aktiv beigetragen: Die Kolleg*innen haben bei der thematischen Vorbereitung der Konferenz mitgewirkt und die Moderation und Berichterstattung der gesellschafts- und sozialpolitischen Fachforen übernommen.

Sven Heitkamp // In: nds 4-2015

5. Seniorinnen- und Seniorentag der GEW